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GLÜCKLICH IST DIESER ORT!
1000 Graffiti aus Pompeji

Ausgewählt, herausgegeben und
übersetzt von Vincent Hunink
(Reclam Verlag) Stuttgart 2011
376 Seiten, ISBN
978-3150188422; EUR 10,80
Im Jahr 79 n.Chr. wurde die römische Stadt
Pompeii verschüttet nach einem Ausbruch des Vulkans Vesuv. Viele Jahrhunderte
später entdeckten Forscher nicht nur die bekannten Monumente, sondern auch
Tausende von Inschriften, meistens in derber, volkstümlicher Sprache.
Ende
2007 publizierte ich eine Anthologie mit
mehr als 1000 Graffiti (Lateinisch/Holländisch). Das Buch enthielt weit mehr
Texte als bis jetzt üblich. Außerdfem
wurde das Material
'geographisch' organisiert, d.h. nach Fundorte der Texte. Damit wurde den Lesern
eine völlig neue Sicht auf die alte Texte geboten.
Es freut mich, dass bald eine
überarbeitete, deutsche Fassung im Reclam Verlag vorliegen wird. Die geplante
Ausgabe wird in der bekannten zweisprachigen orangen Reihe erscheinen,
Ende März 2011.
Einige Beispiele mit lateinische Ausgaben finden sie
hier.
Der Band wird betreut werden von Dr. Peter
Csajkas.
Im September 2009 war ich zu Besuch beim
Verlag in Stuttgart. Ein zweites Besuch fand statt zur Anlass der Publikation,
im März 2011. Einige Fotos von beiden Besuchen finden sie auf dieser Seite.

(In einer grossen Stuttgarter Buchhandlung:
das Reclam-Regal.
Das nagelneue Pompeji-Buch steht links auf dem dritten Brett
März 2011)
FRAGMENTE
199
PACATVS
HIC CVM SVIS
MASIT POMPEIS
+ Pacatus / hat hier mit seinen Leuten / gewohnt in Pompeii.
II,7 (Palästra; im westlichen Säulengang) | CIL IV 8660
200
SI PVDOR
QVIS
+ Wenn es überhaupt noch / Ehrgefühl (gibt)...
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8701 | metrisch; vielleicht
dichterische Anspielung (auf Vergil, Bucolica 7,44 ‘si quis pudor’)

Vincent Hunink (L) und dr. Peter Csajkas (R)
im Verlag (September 2009)
201
ANIMA EST ATSVETA
CAPERE SIBI DEBITA
(ET) DONARE SI MOREM FIR
MAS PROSPERA VOTA
VENVS SYNTROPHVS
AVGET
+ Die Seele pflegt / zu nehmen was ihr gebührt, / und zu geben. Wenn du
stand-/haft bist (wird) Venus Syntrophus / deine Wünsche / erfüllen.
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8711b
202
IVCVDVS
MALE CALA
+ Jucundus / bumst schlecht.
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8715b
203
III K(ALENDAS) MART(IAS) HIC SCR(IPSI)
+ Am 27. Februar habe ich dies geschrieben
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8729
204
PARIS VA
+ Tschüss Paris!
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8746

im Direktionszimmer, mit
allen lieferbaren Büchern (September 2009)
205
SV
Q VESVVIVS
+ Ich bin / Quintus Vesuvius.
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8754
206
ANTHVS
COSINI
DEST(I)L
ATOR
+ Anthus / des Cosinus, / dem's tropft
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8760
207
FLORONIVS
BINETAS MILES
LEG(IONIS) VII HIC
FVIT NEQVE
MVLIERES
SCIERVNT NISI
PAVCAE ET
SESERVNT
+ Floronius, / Fucker Soldat/ der siebten Legion, war / hier und nur weinige /
Frauen / haben's gewusst / und die / haben's gespürt.
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8767 | unsicherer Text
('binetas' gelesen mit Varone 2002, 66)
208
VADE
AGE NATE
VOCAS ZE
PIRIOS
+ Komm, / geh, mein Sohn, / ruf die West-/winde!
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8768 | metrisch; Dichterzitat
(Vergil, Aeneis 4,223)

am Eingang (oben: September 2009 / unten:
März 2011)

209
PITTACIVS
CVM
PRIMIGENIA
HIC
PRIMA SEQ
VERE
VOLV
MNIVS
+ Pittacius / mit / Primigenia / hier. / Prima (auch). Schließ / dich an, /
Volum-/nius!
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8769c
210
LIB(ERALIS) LIBERA
LIS
LIBERALIS
VENIMVS
+ Liberalis, Libera-/lis / Liberalis: / wir sind gekommen.
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8781
211
NARCI
SVS NARCISVS
SITIEN(S) HAC NARCISVS
SITIENS HAC
+ Narcis-/sus, Narcissus, / (war) hier geil. Narcissus / (war) hier geil
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8785
212
(IRRV)MATOR
VA (I)RRVMATO(R)
+ Maulficker / Tschüss Maulficker
II,7 (Palästra; im nördlichen Säulengang) | CIL IV 8790a-b

das erste Exemplar in der Frühlingssonne
(März 2011)
PRESSESTIMMEN
"Geiles Latein
Zugegeben: Die
literarischen Qualitäten dieses Opus sind eher dürftig. Gleichwohl ist der
kompakte Band allemal beachtenswert. Vereint er doch 1000 von Vincent Hunink
ausgewählte, übersetzte und herausgegebene Graffiti aus Pompeji. Die durch die
Asche des Vesuv-Ausbruchs von 79 n.Chr. bewahrten Zeichen, Zoten und Zitate
zeigen, dass Latein eine höchst lebendige Sprache war - mit sämtlichen Untiefen,
wie sie auch heute im Alltagsjargon zu finden sind, samt des dazugehörigen
Unterleibsvokabulars. „Narcisus sitiens hac" (Narcissus war hier geil) ist da
noch eine nachgerade sittsame Äußerung: Bushido hätte seine helle Freude gehabt.
Die Sammlung erscheint im ehrenwerten Reclam-Verlag - ein schöner Beleg, dass
man aufgehört hat, die Zeit des Imperium Romanum vor allem unter kriegerischen
Aspekten zu betrachten. Auch wenn sich mancher Mann bei Frauen wohl wie ein
Feldherr fühlte; „Suspirium puellarum Traex" (Seufzer der Mädchen: der Thraker)
schrieb jemand an eine Wand."
MH in: Neueste Badische Nachrichten (Karlsruhe), 04.05.2011
===
"Kunst währt ewig
Felix hic locus est",
schrieb vor gut 2000 Jahren ein Sponti-Pompejaner auf eine Hauswand seiner
Heimatstadt. Freilich konnte der das Glück des Ortes rühmende Bewohner nicht
ahnen, dass Pompeji im Jahr 79 durch einen verheerenden Vesuvausbruch untergehen
würde. Das war zwar nicht erfreulich, belegte aber immerhin die zeitlose
Gültigkeit des lateinischen Bonmots „Ars longa, vita brevis " (Ewig währt die
Kunst, kurz das Leben). Denn durch das erschüttgehen der Stadt wurden Tausende
von Graffiti konserviert, um deren Haltbarkeit es ansonsten nicht sehr gut
bestellt gewesen wäre; Etwa 1000 mit Griffel, Tonscherbe, Nagel oder Messer
verfasste Sprüche versammelt der zweisprachige Reclam-Band „ Glücklich ist
dieser Ort! " Das vom niederländischen Historiker Vincent Hunink edierte Buch
zeigt, dass antike Graffiti-Künstler weit drastischere Texte verf assten als
ihre Nachfahren im Schmierergeiste. Wir wollen an dieser Stelle aus Taktgefühl
nicht übersetzen, was „MALIM ME AMICI FELLENT QVAM INMICI IRRVMENT" bedeutet.
Nur so viel: Es scheint, als sei Pompeji so verderbt gewesen, dass die strafende
Eruption nicht völlig überraschend gekommen sein kann."
Hendrik Werner, in der Weser Kurier, 12.05.2011
===
In Zukunft wird man sich an die
Dokumentationen und Rekonstruktionen aus der Zeit der Ausgrabungen halten
müssen, um einen Eindruck zu gewinnen, was Pompeji einst war. (...) Das gilt
nicht allein für die Wandmalereien an den Wohnhäusern, es gilt auch für die etwa
10.000 Gelegenheitsinschriften, die sich an den Fassaden von privaten und
öffentlichen Gebäuden fanden (...). Eine reiche Auswahl aus diesem Bestand ist
gerade in Reclams famoser Universalbibliothek erschienen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung – Blog
===
Zu spontanen Wandkritzeleien fühlte sich
schon der antike Mensch bemüssigt. Nirgendwo sonst spricht eine Stadtbevölkerung
über Jahrtausende hinweg so direkt zu uns wie aus ihren Verwünschungen,
Bemerkungen und Spötteleien auf den Häuserwänden. Die Ausgabe bietet
(topographisch geordnet) über 1000 Schriftzeugnisse jenes pulsierenden
Alltagslebens, das durch den großen Vesuvausbruch ein jähes Ende fand.
Helvetia Archaeologica
Höchst amüsant auch für Nicht-Lateiner!
Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel
latest changes here:
19-12-2011 14:58
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